Handlungshilfe – Praxistipps zum Melden von Unfällen

Ein Unfall im Betrieb oder auf dem Weg zur Arbeit ist immer eine Ausnahmesituation. Damit medizinische Versorgung, Versicherungsschutz und Rechtssicherheit gewährleistet sind, braucht es klare Abläufe – von der ersten Hilfe bis zur formalen Unfallmeldung. Diese Handlungshilfe zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Unfälle im Unternehmen strukturiert melden.


Warum eine strukturierte Unfallmeldung so wichtig ist

  • Sichert Ansprüche der verunfallten Person gegenüber der gesetzlichen Unfallversicherung.
  • Schafft Transparenz für Unternehmen, Führungskräfte und Aufsichtsbehörden.
  • Lieferbasis für Ursachenanalyse und künftige Präventionsmaßnahmen.
  • Reduziert Haftungsrisiken und unnötige Diskussionen mit Versicherungsträgern.

Schritt 1: Erste Hilfe und Sofortmaßnahmen

  • Unfallstelle sichern und weitere Gefährdungen ausschließen.
  • Ersthelfer und betriebliche Erste-Hilfe-Strukturen aktivieren.
  • Notruf absetzen 112 (Wer meldet? Was ist passiert? Wie viele Betroffene? Wo?).
  • Bei jedem Unfall Führungskraft und Arbeitssicherheit sofort informieren.

Schritt 2: Interne Meldewege nutzen

Jedes Unternehmen sollte klare interne Wege für Unfallmeldungen festlegen und kommunizieren. So vermeiden Sie Verzögerungen und Informationsverluste.

  • Zuständige Führungskraft oder zentrale Meldestelle (z. B. HSE, Personalabteilung) informieren.
  • Standardisiertes Formular oder digitales Tool zur Erfassung nutzen.
  • Betroffene Person einbeziehen und auf ihr Recht auf Unfallmeldung hinweisen.
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt frühzeitig einbinden.

Schritt 3: Unfallhergang sachlich dokumentieren

Die Qualität der Dokumentation entscheidet darüber, wie gut der Unfall später nachvollzogen und bewertet werden kann. Wichtig ist eine nüchterne, faktenorientierte Darstellung.

  • Datum, Uhrzeit und Ort des Unfalls exakt festhalten.
  • Beschreibung der Tätigkeit unmittelbar vor dem Ereignis.
  • Konkreter Unfallhergang – ohne Spekulationen oder Schuldzuweisungen.
  • Art und Umfang der Verletzungen (z. B. Schnittverletzung, Verstauchung, Bruch).
  • Erste Hilfsmaßnahmen und ggf. Transport in Praxis oder Klinik dokumentieren.
  • Zeugen namentlich erfassen und bei Bedarf kurz befragen.

Schritt 4: Meldung an die Berufsgenossenschaft vorbereiten

Wenn aus dem Unfall eine ärztliche Behandlung oder eine relevante Arbeitsunfähigkeit folgt, ist eine formale Unfallanzeige an die zuständige Berufsgenossenschaft erforderlich.

  • Tödliche Unfälle oder Unfälle mit Arbeitsunfähigkeit über 3 Tage müssen grundsätzlich der staatlichen Arbeitsschutzbehörde gemeldet werden (§ 193 SGB VII)
  • Prüfen, ob eine Unfallanzeige nötig ist (z. B. Arztbesuch, vorhersehbare Ausfallzeit).
  • Vordruck oder Online-Formular der Berufsgenossenschaft verwenden.
  • Angaben zum Unternehmen, zur verunfallten Person und zum Unfallhergang vollständig ausfüllen.
  • Unfallanzeige durch die verantwortliche Stelle im Unternehmen unterschreiben lassen.
  • Betroffene Person über Inhalt und Versand der Anzeige informieren.
  • Eine Kopie im Unternehmen revisionssicher ablegen.

Schritt 5: Nachbereitung und Prävention

Nach dem Melden ist vor der Prävention. Jeder Unfall liefert Hinweise auf Schwachstellen im Arbeits- und Gesundheitsschutz – diese sollten systematisch genutzt werden.

  • Unfallursachen gemeinsam mit Führungskraft, Arbeitssicherheit und ggf. Betriebsrat analysieren.
  • Notwendige Maßnahmen (technisch, organisatorisch, personenbezogen) definieren und terminieren.
  • Betroffene und Team über Ergebnisse und Verbesserungen informieren.
  • Unfall in Gefährdungsbeurteilung und Unterweisungskonzepte zurückspiegeln.

Praxis-Tipps für Unternehmen

  • Klare Prozesse: Schriftlich festlegen, wer einen Unfall wie und in welchem Zeitrahmen melden muss.
  • Standardformulare: Einheitliche Unfallformulare oder digitale Checklisten unternehmensweit nutzen.
  • Schulung: Führungskräfte und Ersthelfer regelmäßig zu Meldewegen und Dokumentation schulen.
  • Niedrige Hürde: Klarstellen, dass das Melden von Beinahe-Unfällen ausdrücklich erwünscht ist.
  • Datenschutz: Unfallunterlagen vertraulich behandeln und nur Befugten zugänglich machen.

Fazit

Eine strukturierte Unfallmeldung ist mehr als eine Pflichtaufgabe – sie schützt Mitarbeitende und Unternehmen gleichermaßen. Wer klare Meldewege definiert, Verantwortlichkeiten zuordnet und standardisierte Unterlagen einsetzt, sorgt dafür, dass im Ernstfall nichts Wichtiges vergessen wird und aus jedem Unfall konkrete Verbesserungen entstehen.

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