Sicherheitsschuhe – Arten, Unterschiede und die richtige Auswahl

Sicherheitsschuhe sind ein zentraler Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Sie schützen Beschäftigte vor Verletzungen durch mechanische, chemische, thermische und elektrische Gefahren. Doch welche Arten von Sicherheitsschuhen gibt es? Was bedeuten Bezeichnungen wie S1, S2 oder S3? Und wer entscheidet eigentlich, welche Sicherheitsschuhe am Arbeitsplatz getragen werden müssen?

1. Was sind Sicherheitsschuhe?

Sicherheitsschuhe sind genormte Arbeitsschuhe mit definierten Schutzeigenschaften. In Europa werden sie hauptsächlich durch die DIN EN ISO 20345 geregelt. Diese Norm legt Mindestanforderungen fest, z. B.:

  • Zehenschutzkappe (meist aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff)
  • Rutschhemmende Sohle
  • Energieaufnahme im Fersenbereich

Je nach Einsatzbereich kommen zusätzliche Schutzfunktionen hinzu.

2. Arten von Sicherheitsschuhen (S-Klassen)

SB – Basisschutz

  • Zehenschutzkappe bis 200 Joule
  • Keine weiteren Zusatzanforderungen

S1

  • Zehenschutzkappe
  • Geschlossener Fersenbereich
  • Antistatische Eigenschaften
  • Energieaufnahme im Fersenbereich
  • Kraftstoffbeständige Sohle

Einsatz: Trockene Innenbereiche, z. B. Lager, Industriehallen

S1P

  • Alle Eigenschaften von S1
  • Zusätzlich durchtrittsichere Zwischensohle

Einsatz: Bereiche mit Nägeln, Spänen oder scharfen Gegenständen

S2

  • Alle Eigenschaften von S1
  • Zusätzlich wasserabweisendes Obermaterial

Einsatz: Feuchte Arbeitsumgebungen, z. B. Lebensmittelindustrie

S3

  • Eigenschaften von S2
  • Durchtrittsichere Zwischensohle
  • Profilierte Laufsohle

Einsatz: Baugewerbe, Handwerk, Außenbereiche

S4

  • Wasserdicht (meist aus Kunststoff oder Gummi)
  • Antistatisch
  • Energieaufnahme im Fersenbereich

Einsatz: Nassbereiche, z. B. Reinigung, Landwirtschaft

S5

  • Eigenschaften von S4
  • Zusätzlich durchtrittsicher
  • Stark profilierte Sohle

Einsatz: Extreme Nass- und Außenbereiche

3. Weitere wichtige Zusatzkennzeichnungen

  • SRC: Rutschhemmung auf Keramik und Stahl
  • HRO: Hitzebeständige Sohle
  • CI / HI: Kälte- bzw. Wärmeisolierung
  • ESD: Schutz vor elektrostatischer Entladung
  • WR: Komplett wasserdicht

4. Unterschiede zwischen den Sicherheitsschuhen

Die Unterschiede liegen vor allem in:

  • Schutzumfang: Je höher die Klasse, desto mehr Schutzfunktionen
  • Einsatzgebiet: Innenbereich vs. Außenbereich
  • Material: Leder, Mikrofaser, Kunststoff
  • Tragekomfort: Gewicht, Atmungsaktivität, Flexibilität

Ein S3-Schuh bietet z. B. deutlich mehr Schutz als ein S1-Schuh, ist aber oft schwerer und weniger luftig.

5. Wie finde ich heraus, welche Sicherheitsschuhe die richtigen sind?

Die Auswahl erfolgt anhand einer Gefährdungsbeurteilung. Dabei wird geprüft:

  • Gibt es herabfallende Gegenstände?
  • Besteht Rutsch- oder Durchtrittsgefahr?
  • Gibt es Nässe, Chemikalien oder Hitze?
  • Wird drinnen oder draußen gearbeitet?

Aus diesen Gefährdungen ergibt sich die erforderliche Schutzklasse.

6. Wer legt fest, welche Sicherheitsschuhe getragen werden müssen?

Arbeitgeber

  • Ist gesetzlich verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen
  • Legt die erforderliche PSA fest
  • Muss geeignete Sicherheitsschuhe bereitstellen oder bezuschussen

Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa)

  • Berät den Arbeitgeber
  • Unterstützt bei der Auswahl geeigneter Sicherheitsschuhe

Betriebsarzt

  • Beurteilt gesundheitliche Aspekte
  • Gibt Empfehlungen bei orthopädischen Anforderungen

7. Wer ist weisungsbefugt?

  • Arbeitgeber bzw. Vorgesetzte sind weisungsbefugt
  • Beschäftigte sind verpflichtet, die vorgeschriebene PSA zu tragen
  • Sicherheitsbeauftragte haben meist keine Weisungsbefugnis, sondern eine Hinweisfunktion

8. Fazit

Sicherheitsschuhe sind kein optionales Zubehör, sondern ein essenzieller Bestandteil des Arbeitsschutzes. Die richtige Auswahl schützt nicht nur vor Verletzungen, sondern erhöht auch den Tragekomfort und die Akzeptanz bei den Beschäftigten. Entscheidend ist eine fundierte Gefährdungsbeurteilung und die klare Festlegung durch den Arbeitgeber.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Arbeitsschutzberatung.

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